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AFS en los Medios

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18/3/2009 - Periódico Alemán Publica Historia de Participante Dominicano

Brüder für ein Jahr
07/03/2009

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George Gil aus der Dominikanischen Republik lebt vorübergehend bei Familie Händel in Nietwerder

Streng genommen ist für George Gil jeder Tag in Neuruppin ein Fest. Nachmittags gibt es bei seiner Gastfamilie, den Händels, nämlich immer Kuchen. In seinem Heimatland, der Dominikanischen Republik, wird Gebäck nur an Geburtstagen aufgetischt. An seinem Platz in der Händelschen Wohnküche grinst George und beißt in ein Stück Mandarine-Quark-Schnitte.

Die Familie aus Nietwerder sitzt auf der Küchenbank. Die Eltern Heidrun und Wolfram außen, in der Mitte ihr blonder Sohn Georg und der dunkelhaarige Gastsohn George aus der „Dom-Rep“, wie sie hier kurz sagen. Auch George bekam vorübergehend einen neuen Namen, denn zwei Georgs wären auf die Dauer verwirrend geworden. „Eddi“ nennen sie den Lateinamerikaner hier, weil sein zweiter Name Edward ist.

Die Kaffeerunde um vier ist ein tägliches Ritual. Wenn die beiden Jungs aus der Schule kommen, hungrig und mit den kleinen Geschichten des Tages, rücken sie auf der Küchenbank zusammen, essen Kuchen und erzählen. „Wir machen das natürlich, um Eddis Deutsch zu trainieren“, sagt Vater Wolfram. „Aber auch, um einfach Zeit zusammen zu verbringen.“

Seit September sind die drei Händels Eddis Gastfamilie. Der spanische Muttersprachler hatte sich für einen Schüleraustausch in Deutschland beworben, weil er nach dem Bachelorstudium gerne seinen Master in Berlin machen würde und dafür Deutsch können muss. Auf seine Gastfamilie musste Eddi ziemlich lange warten, denn die Händels kamen erst im August spontan auf die Idee, einen Jugendlichen aus dem Ausland ein Jahr lang zu beherbergen.

An einem Morgen, drei Tage vor ihrer Urlaubsreise, lasen sie einen Aufruf in der MAZ. „Ich hab Georg angeguckt: Die suchen Gastfamilien. Was sagste?“, erzählt Heidrun Händel. „Zwei Tage später stand jemand von der Austauschorganisation AFS auf der Matte.“

Die Entscheidung fiel leicht: „Eddi sah auf dem Foto so lustig aus.“ Wolfram lacht. „Eigentlich wollte Mama ja einen Amerikaner, um ihr Englisch aufzubessern“, verrät sein anderer Sohn Georg. „Aber wir wollten dann alle nur noch Eddi.“

Als sie den 18-Jährigen schließlich in Berlin vom Bahnhof abholten, mussten sie tatsächlich erst mal das Englische auspacken. Eddi konnte nur einen deutschen Satz: „Wo ist Georg?“ Bis zu den Herbstferien war das Englisch-Wörterbuch ihr ständiger Begleiter. Mit einer Deutsch-Nachhilfelehrerin und den täglichen Kaffeerunden verbesserten sich seine Sprachkenntnisse aber so rasant, dass er mittlerweile munter plappert – wenn auch manchmal mit leichtem Nuscheln.

Auch in der Schule klappt es allmählich besser. Gemeinsam mit seinem Gastbruder Georg besucht Eddi die 12. Klasse des Schinkelgymnasiums. Georg hat ihm viel geholfen, vor allem zu Beginn. Fußballspielen, Feiern – fast alles machen sie im Doppelpack. „Na ja, wir sind halt Freunde“, sagt Georg. Es klingt selbstverständlich.

Kulturelle Hindernisse lassen sich in solch fröhlicher Umgebung leicht überwinden. Einmal hat Eddi für seine deutsche Gastfamilie gekocht. „Mangu“, ein Gericht aus der Heimat. Salamistücke gehören hinein, Käse, Eier. Und Kochbananen. „Die kriegt man in Neuruppin natürlich nicht“, sagt Heidrun Händel. „Papa ist dafür extra nach Berlin gefahren.“ Sie blickt ihren Gatten mit gespieltem Spott an: „Ins teuerste Kaufhaus, ins KaDeWe.“ Er erinnert sich gut. „Beinahe hätte ich die falschen mitgebracht. Ich dachte ja, die sind einfach nur grün.“

Sie sitzen zusammen, sie lachen und sticheln, die vier Händels für ein Jahr. Man merkt, ihr Eddi war die richtige Entscheidung. An den Abschied denken sie nicht.

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